Osterbrief

Durch Gottes Geist sich neue Osterfreude schenken lassen.

Liebe Mitglieder und Freunde der LKG Burgdorf,

als ich neulich an der Kasse bei Penny stand, bemerkte die Kassiererin, „in diesem Jahr würden Kunden kaum Osterartikel kaufen“. Nun, man kann es den Kunden nicht verdenken. Vielen ist scheinbar die Lust auf Ostern vergangen. „Die Corona-Pandemie kenne keine Feiertage“ sagte unlängst die Kanzlerin. Für uns Burgdorfer im Allgemeinen und für uns LKGler im Speziellen wird Ostern in diesem Jahr anders sein. Wir können keinen gemeinsamen Ostergottesdienst feiern, kein Osterfrühstück miteinander genießen, und die junge Generation muss auf ihre traditionelle Ostereiersuche verzichten. Vieles, das wir mit Ostern verbinden, fällt in diesem Jahr der Pandemie zum Opfer. Auch ich finde das sehr, sehr schade.

Doch vielleicht bringt uns diese besondere Situation eventuell wieder näher zu dem, was Ostern wirklich ist. Schauen wir uns das erste Osterfest genauer an. Es ereignete sich einfach so, ohne Vorbereitung, ohne menschliches Zutun. Im Gegenteil, Ostern trat ein, obwohl alles danach aussah, als solle es verhindert werden. Es geschah trotz des grausamen Kreuzestodes, trotz des großen Steines vor der Tür des Grabes, trotz der Soldaten, die das Grab bewachen sollten. Auf einmal war das Grab leer.

In einem alten Wort des Propheten Sacharja 4,6 heißt es: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr der Heerscharen“. Vordergründig galt dieses Wort zuerst einmal der Situation, in der sich Sacharja vorfand. Im Jahr 520 vor Christus stand der Wiederaufbau des jüdischen Tempels bevor. Etwa 70 Jahre vorher wurde er durch die Babylonier zerstört. Obwohl ein Edikt des großen Königs Kyros den Wiederaufbau genehmigt hatte, kam man nicht so recht damit voran. Widerstände und Entmutigung standen dem Vorhaben entgegen. Die Verheißung Gottes in Sacharja 4,6 betont nun, dass Gott die „Wiederauferstehung“ des jüdischen Tempels durch seinen Geist geschehen lassen wird. Das Buch Esra berichtet uns, wie der Wiederaufbau schließlich gelang.

All das ist auch ein Bild für das Ostergeschehen. Auch die Auferstehung Jesu bewirkte der Heilige Geist, der Geist des Lebens.

Interessant, Jesus selbst verglich seine Auferstehung mit dem Wiederaufbau des Tempels. Im Johannesevangelium, Kapitel 2, lesen wir, wie Jesus seine rabiate Reinigung des Tempels vor den Juden rechtfertigte, in dem er sagte: „Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn wieder aufrichten“. Entrüstet erwiderten die Juden: „Dieser Tempel ist in sechsundvierzig Jahren erbaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten“? Erklärend fügt der Evangelist Johannes hinzu: „Er aber (Jesus) redete von dem Tempel seines Leibes“.

Jesus Christus wurde nach drei Tagen vom Tod erweckt. Als Frauen in der Frühe des ersten Tages der Woche (am Sonntag) zum Gab kamen, sahen sie, der Stein vom Grab war weggerollt. Das Grab war leer. Geheimnisvoll, wie das geschehen konnte. „Nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist“, spricht der Herr. Gottes Geist war es, der Jesus auferweckte. 

Gottes Geist kann auch uns neu im Glauben erwecken, in uns neu Ostern werden lassen. Durch ihn können wir ein Tempel des Lobes und Ostern ein Fest der Anbetung sein. Dazu braucht es keine äußeren Festlichkeiten unbedingt, aber zwingend ein empfangendes Herz.

Nehmen wir uns doch bewusst vor, in diesem Jahr Ostern eventuell einmal ganz anders zu gestalten. Wie wäre es, wenn wir einfach Gottesdienst zu Hause feiern? Eine sehr schöne Möglichkeit zum Beispiel ist es, eine besonders gestaltete Osterkerze am frühen Morgen, vielleicht im Rahmen einer kleinen liturgischen Feier, zu entzünden. Dieses Licht ist dann ein Zeichen für die Auferstehung unseres Herrn Jesu. Und dann genießt man ein schönes Osterfrühstück.

Wir werden auch Ostern einen Ostergottesdienst auf YouTube einstellen, der in unserem Gemeinschaftshaus produziert worden sein wird. Auch diesen kann man sich gern ansehen. Außerdem gibt es noch viele andere mediale gottesdienstliche Angebote im Fernsehen oder im Internet, die uns helfen können, die Osterfreude neu zu begreifen.

Und nächstes Jahr, so Gott will und wir leben, feiern wir Ostern wieder gemeinsam. In diesem Sinne sprechen wir uns zu:

„Der Herr ist auferstanden! - Er ist wahrhaftig auferstanden“!

Ihnen und Euch allen ein schönes und gesegentes Osterfest. Im Namen des gesamten Vorstandes

Volkmar Günther