Wenn Nachfolge zur Religion erstarrt

Gideon machte einen Efod aus Gold und stellte ihn in seiner Stadt Ofra auf. Und ganz Israel trieb dort mit ihm Abgötterei. Und er wurde Gideon und sei-nem Hause zum Fallstrick. Richter 8,27


Die Geschichte mit Gideon, die im biblischen Buch der Richter erzählt wird, ist eine richtige Actiongeschichte. Gideon, der Held in Israel, der die feindlichen, räuberischen Midianiter aus dem Land Israel vertreibt. Beim Lesen der Geschichte denkt man – endlich hat Israel einen Mann nach dem Herzen Gottes.

Aber dann, plötzlich, verliert die Geschichte ihren Lauf. Für Gideon wird der sogenannte „Efod“ zum Fallstrick. Und auch ich, als Leser, werde „auf den Boden der Tatsachen“ zurückgeworfen. Und ich frage mich, was ist da eigent-lich passiert?

Nun, der sogenannte Efod war wohl ein Denkmal gewesen – nicht für Gideon – nein, das würde nicht zu ihm passen. Aus Ehrfurcht gegenüber dem Herrn lehnte er das ihm angebotene Königtum ab. Der Efod war ein Götterbild, mit dem sich Gideon bei Gott bedanken wollte. Aber hier hat Gideon bedauerlicher Weise zu kurz gedacht. Ohne es zu wollen, legte er damit den Grund für etwas, das er doch eigentlich zutiefst verabscheute, nämlich den Samen für religiösen Götzendienst. Gut gemeint, aber schlecht gemacht, kann man dazu nur sagen.
Gideon hat eine charismatische Situation, einen geistlichen Aufbruch, lebendige Gemeinschaft mit Gott in die Form eines Efods gegossen. Damit wollte er aus einer guten Absicht her-aus seine Glaubenserfahrungen für die Menschen und die Nachwelt aufbewah-ren und zementieren.

Was war die Folge? Statt weiterzuge-hen und Gottes Weisungen und Winken weiter zu folgen, stand Israel ehrfürchtig vor dem Götterbild. Sie gedachten an die guten Erlebnisse mit Gott, wurden aber blind für die geistlichen Herausfor-derungen der Gegenwart. Ein hoffnungsvoller Aufbruch voller Lebenskraft endete in der Sackgasse religiöser Göt-terverehrung.

Was können wir daraus für unser Leben und unseren Glauben lernen?

So, wie das Gold beim Guss des Efods eine feste Form annahm, so besteht bei uns Menschen die Gefahr, dass unser geistliches Leben, unsere Jesusnachfolge zunehmend in religiösen Formen erstarrt.Manche christliche Gemeinde, manches christliche Werk haben nach einem hoffnungsvollen, lebendigen Start ihren Glanz und ihre geistliche Vitalität verloren, in dem sie etwas festhielten, wohlmeinend Prinzipien festschrieben oder geistliches Leben mit Hilfe von Schemen und Schablonen bewahren wollten. Unmerklich wurde aus lebendiger Beziehung ein frommer Betrieb, erstarrte Religion. Was einmal aufgrund himmlischen Feuers entstand, zerfiel in weltliche Betriebsamkeit.

Wer meint, sich diesem Erosionsprozess des Glaubens mit eigenen Mitteln entziehen zu können, der irrt. Ein menschliches Herz liebt die Religion, liebt das Götzenbild und sucht darin seine Sicherheit.

Was ist die Lösung? Die Lösung kann nur Erlösung sein. Unser religiöses Herz bedarf der Erlösung durch Jesus. In Johannes 8,36 lesen wir: „Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei“. Weil aber die Gideongeschichte uns lehrt, dass wir aus dieser Freiheit immer wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen können, brauchen wir den Heiligen Geist, der uns vor religiöser Erstarrung bewahrt und uns jeden Tag in eine lebendige Gottesbeziehung bringt.

Wehren wir uns doch immer wieder gegen unsere inneren und äußeren „Efods“, gegen das Erstarren lebendiger Nachfolge. Menschen, denen wir heute begegnen und spätere Generationen, möchten ja auch an uns sehen können, was es heißt, lebendig Jesus nachzufolgen.

Volkmar Günther